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neues deutschland | 02.11.2012

Von Lucía Tirado

Natürlich wieder unbesiegbar

Das Helmi ruft »Jakob Rambo« im Ballhaus Ost auf den Plan

Nichts ist so, wie es zunächst scheint. Bei den Aufführungen der im Ballhaus Ost ansässigen internationalen Puppenbühne Das Helmi Ost sieht der Bühnenraum immer aus, als wäre jemand ausgezogen und hätte zurückgelassen, was er für Krempel hielt. Trash. Das Ambiente gehört zum Kultstatus der Truppe. Mit sicherem Griff ist immer das zur Hand, was gerade gebraucht wird. Ein Hubschrauber beispielsweise. Kein Problem.

Was Das Helmi inhaltlich für seine Stücke ankündigt, trifft im großen und Ganzen ein. Es wird aber in Details garantiert anders sein. Ideen werden hier im Produktionsprozess wahrscheinlich noch schneller als woanders durch neue ersetzt. Wer von den avisierten Künstlern im Spiel sein wird, zeigt sich erst, wenn es soweit ist. Man nimmt sich da wohl nicht so wichtig. Überraschungen in jeder Hinsicht sind also immer möglich. Das schließlich macht den Reiz dieser Puppenbühne aus. Komisch ist sie immer in ihrem Spiel. Das ist sicher. Aber wer nur für lustig und niedlich hält, was Das Helmi zu bieten hat, ist falsch gewickelt.

Zurück zum Hubschrauber. Sein Dasein ist von sehr kurzer Dauer. Kaum hat er richtig aufgedreht, geht es mit ihm abwärts. Gegen »Jakob Rambo« kommt keiner an. Die Titelfigur des neuesten, gut auf eine Stunde gebrachten Stücks ist unbesiegbar. Das weiß man doch vom Film. Die US-Army bildete ihn zum Töten und Siegen in Vietnam aus. Des dortigen erfolglosen mörderischen Treibens überdrüssig, trottet er im müden Kriegsveteranenschritt durchs amerikanische Heimatland und kommt einer piefigen Kleinstadt für den Geschmack des dortigen Sheriffs zu nah. Es kann der Friedlichste nicht in Frieden wandeln, wenn es dem dummen Bürger nicht gefällt.

Mit der Spießigkeit, jeden Fremden – gar einen Fußgänger – abzulehnen, setzt Das Helmi in dieser Geschichte zum Spiel ins Groteske an. Die Schaumstofffiguren sind Typen. Jakob Rambo, lässig gekleidet, mit nachdenklich zerknirschter Miene stößt auf den dicken, glatzköpfigen Sheriff mit Sonnenbrille. Dieser Will Teasle sieht den Polizeistaat als seinen Kosmos und sich als Profi: »Hände auf den Rücken, dass ich sie sehen kann!«

Des Sheriffs dämliche Kleinstadtgevatter sind nicht als Sieger gemacht, auch wenn es zunächst aussieht, als gewännen sie Oberhand. Gut eingesetzt dabei sind Zeitlupen-Kampfsequenzen. Das passt, denn diesmal nimmt Das Helmi in den Wechseln zwischen Puppenspiel und Schauspiel zusätzlich Tanztheater aufs Korn. So dramatisch, dass für die Truppe nur noch die größte Bühne des Ballhauses Ost in Frage kam.

Die räumliche Ausweitung macht die große Schlacht gegen einen einzelnen Unbesiegbaren noch haarsträubender. Ungehört bleiben zwischendurch dessen Appelle, die Sache doch besser zu lassen. Dann könnte er verweilen bei seiner gerade gegründeten Singegruppe im Walde, wo sich vor 300 Jahren oder vor 3 Wochen ausgestorbene Tiere zu ihm gesellten und ihn zum Rächer ihres Schicksals auswählten.

Ein dichtes böses Stück, bei dem Web-Cam und Video geschickt eingesetzt sind. Auf diese Art lässt sich die Verbindung zu Rambos in der Ferne befindlichem Ausbilder problemlos herstellen. Was aus dem und aus Jakob Rambo wird, zeigt sich, wenn sich die beiden 20 Jahre nach dem Kleinstadtzwischenfall im »Späti« treffen. Ist ihr Leben vom Vietnamkrieg gezeichnet, so ist das noch nichts gegen das Äußere einer auch dort beheimateten Person.

Für Freunde dieser Puppenbühne beginnt jetzt eine schöne Zeit. Helmi-November. Schon vor der Wiederholung des neuen Stücks ist »Rocky« wieder zu sehen. Danach schleichen erneut Mönche mit finsteren Absichten in der frechen Inszenierung »Der Name der Rose« nach Umberto Ecos Roman herum.

Das Helmi am 8. u. 9.11.: »Rocky«; 10., u.11.11.: »Jakob Rambo«, 16. bis 18.11.: »Der Name der Rose«, immer 20 Uhr, Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 03 91 68, www.ballhausost.de

JAKOB RAMBO | DAS HELMI | november 2012

“Die Action-Ikone der 80er als Puppenspiel – kann das gut gehen? Natürlich ist die Erwartung, dass so eine Kombination total irre wird, so hoch wie der Munitionsverbrauch in einem durchschnittlichen Stallone-Film. Und eventuell zu hoch. Denn die Vorlage, an die sich Das-Helmi-Ensemble hält – der erste (und beste) „Rambo“-Film, in dem sich der wortkarge Einzelgänger mit einem engstirnigen Dorfsheriff anlegt – ist im Original natürlich reine Action. Der Kontrast zwischen Original und Trash-Umsetzung (mit bewusst einfachen Mitteln) sollte hoch sein. Im Ballhaus Ost ist der Gegensatz, trotz scherziger Videoprojektionen und dem Wechsel von Puppenspiel und Körpertheater, aber leider nicht grell genug.

An einigen Stellen blitzt wundervoller absurder Charme auf, der die Sache amüsant macht, etwa wenn Rambo von einem Papphubschrauber verfolgt wird oder in einer Höhle mit den ausgestorbenen Tieren dieser Welt ein Liedchen am Lagerfeuer trällert. Aber so ganz reicht es dann doch nicht, um das pathetische Vorbild endgültig zu Fall zu bringen.

Vielleicht liegt es daran, dass der Rambo-Plot schon immer so hohl war, dass er gegen jede absurde Übersetzung ins Theater gänzlich immun ist.” Gary Flanell

14.+15.11., 20 Uhr, Ballhaus Ost. Regie: Das Helmi; mit Anna Menzel, Florian und Niklas Loycke, Solene Garnier. Eintritt 13, erm. 8 Euro

Zitty Vote
3/5
ganz ok

“(…) Comme la bombe une fois lâchée qu’on ne peut arrêter. Ou comme un corps qui s’élance et ne peut éviter un autre corps. Et dont l’impact, la confrontation, peut être d’une grande brutalité. Sur scène, une vingtaine de tiges verticales traversent des ballons placés à différentes hauteurs, comme une pluie de bombes. Dans la lumière subtile, violente ou caressante de Pascale Bongiovanni, quatre jeunes femmes se meuvent, félines, provocantes. Elles dansent sur une musique assourdissante, courent à perdre haleine, se percutent en un clash nerveux… « Elles ne se cherchent pas, mais se ressentent, s’affrontent, vigilantes à leur propre territoire ». La Gazette de Nîmes (décembre 09)

“(…) Comme la bombe une fois lâchée qu’on ne peut arrêter. Ou comme un corps qui s’élance et ne peut éviter un autre corps. Et dont l’impact, la confrontation, peut être d’une grande brutalité. Sur scène, une vingtaine de tiges verticales traversent des ballons placés à différentes hauteurs, comme une pluie de bombes. Dans la lumière subtile, violente ou caressante de Pascale Bongiovanni, quatre jeunes femmes se meuvent, félines, provocantes. Elles dansent sur une musique assourdissante, courent à perdre haleine, se percutent en un clash nerveux… « Elles ne se cherchent pas, mais se ressentent, s’affrontent, vigilantes à leur propre territoire ».  La Gazette de Nîmes (décembre 09)photo : Erik Damiano

“Je suis une fleur ; je suis une bombe Avec son titre métaphorique qui donne à la présence du corps féminin sa brutale beauté, la pièce chorégraphique « Daisy Cutter », créée à L’Odéon, à Nîmes, par la compagnie La Zampa, a produit l’effet escompté : celui de séduire le spectateur pour l’embarquer dans un lieu d’une inquiétante étrangeté.(…) et, pour surenchérir, la musique industrielle de Patrick Codenys, membre du mythique groupe Front 242, n’est pas de reste, ainsi que les projections vidéo de Bruno Geslin et Romain Tanguy. Atmosphère fantastique, inquiétante, dérangeante, qui déclenche un subtil malaise, provoquant même une crainte manifeste chez le spectateur. Ainsi, dans les deux magnifiques offensives des ballons-projectiles. On s’attend, à tout instant, que chaque danseuse soit atteinte. Même si l’on suppose la perfection du timing, le passage si proche de la corde ou du ballon fait émerger la pensée du danger. Et, quand un ballon percute de plein fouet le dos de la danseuse, statique, au milieu de la scène, la violence du coup devient pour le spectateur lui-même une mise à l’épreuve. Le corps est le lieu d’un affrontement qui peut tendre au plaisir.” LES TROIS COUPS (décembre 09)