Theatermemorandum über Anna Politkowskaja

Stefano Massini

Regie: Felicitas Braun
Bühne und Kostüme: Sonja Böhm
Musik: Solène Garnier
Dramaturgie: Marc-Oliver Krampe.
Mit: Diana Ebert, Caroline Nagel, Solène Garnier
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Deutschsprachige Erstaufführung

PRESSESTIMMEN :

“Fröhlich tropfen die Flageoletttöne aus der Ukulele. Pling, pling, tropf. Aber es sind keine Töne, die da tropfen, es ist Blut, Blut aus einem abgetrennten Schädel, der an einer Gaspipeline hängt und langsam ausblutet.” Theaterheute

“Dokumentarische Elemente wie solche Schreiben sind eigentlich nicht spielbar. Dennoch schaffen es die drei Darstellerinnen, mehrere Begebenheiten aus dem Alltag der Reporterin lebendig werden zu lassen. Auch die Musik der Berlinerin Solène Garnier ist dabei eine großartige Unterstützung.(…)Wirklich genial ist die gebürtige Französin bereits ganz zu Beginn des Stückes.”  NDR

“Was dabei vielleicht naheläge, vermeidet Braun konsequent: gefühlige Identifikationsangebote, Kitsch, Betroffenheitsgesten, Pathos. (…) Sätze legen sich in Schleifen, die inneren Widersprüche drängen unwirsch hinaus, Garnier lässt ein schroffes Riff repetieren, schlägt martialische Beats auf dem Schlagzeug, während Nagel und Ebert mit regelrechtem Punk-Furor wüten.” Nachtkritik

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Am 7. Oktober 2006 wird Anna Stepanowna Politkowskaja im Alter von 48 Jahren tot im Fahrstuhl zu ihrer Wohnung in der Moskauer Lesnaya-Straße gefunden. Vier Kugeln aus einer Makarow hatten das Leben einer der wohl bekanntesten und mutigsten Journalistinnen Russlands für immer ausgelöscht.

Politkowskaja schrieb unermüdlich gegen das Verschwinden an. Gegen das Verschwinden von Meinungs- und Pressefreiheit, die erst wenige Jahre zuvor in ihrem Mutterland Einzug gehalten hatten. Unparteiisch schrieb sie über Machtmissbrauch und Korruption, über Gewalt und Willkür sowie über das abscheuliche Schlachten beider Kriegsparteien in Tschetschenien. Sie war der Dorn in vielen Falkenaugen und das kostete sie am Nachmittag jenes 7. Oktobers das Leben.
Doch ist ihr Tod mit Sicherheit kein Einzelschicksal. Amnesty International zählt in 101 Staaten der Erde massive Verstöße gegen die Pressefreiheit, die nicht selten bis hin zum Mord reichen.
2014 starben nach Angabe von Reporter ohne Grenzen weltweit 66 Journalistinnen und Journalisten in Ausübung ihres Berufes. Die Dunkelziffer liegt weit höher.
Charlie Hebdo war daher kein Novum und erst recht kein Einzelfall. Tag für Tag begeben sich Männer und Frauen in größte Gefahren mit ihren unermüdlichen Versuchen, alte und neue Götter zu demontieren.
Ihnen ist dieses theatrale Memorandum für Anna Politkowskaja gewidmet, die ihr Leben bis zur letzten Konsequenz der Freiheit gewidmet hatte.
Das Oldenburgische Staatstheater zeigt ,Eine nicht umerziehbare
Frau‘ fast zehn Jahre nach Politkowskajas Tod, im Jahr des Mordes an Boris Nemzow, als deutschsprachige Erstaufführung.

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