Iphigénie auf Tauris – Goethe – Joachim Schloemer

Mit: Martin Butzke, Solene Garnier (Live-Musik), Maximilian Kraus, Janet Rothe, Yanna Rüger und Sabine Waibel

Bühne: Jo Schramm

Kostüme: Nicole von Graevenitz

Komposition: C. Mysia

Dramaturgie: Ralf Fiedler

Premiere: Do 26. März, 20.00 Uhr, Saal

«Auch das macht Schloemer … immer wieder: Atemstösse in die Verse hineinpressen, sie mit Wiederholungen ausbremsen, aus den Wörtern Schreie filtern, Entsetzen, Schmerz, Liebe. So entstehen Risse im perfekt ziselierten Exempel einer Wahl zwischen dem Rechten und einer Rettung, die aus Unrecht, aus List und Tücke geboren wurde.» (TA, 27.03.15)

«… Joachim Schloemer nimmt Goethe und Heiner Müller beim Wort. Er visualisiert die schillernde Unruhe in der Sprache und die inneren Konflikte der Figuren durchdacht. Er findet mit den sechs Darstellern, die mehrere Figuren verkörpern und im Duo den janusköpfigen Pylades spielen, im Körpertheater kraftvolle Bilder.» (NZZ, 27.03.15)

Eine Frau, ehrlich und entschieden, soll alles richten. Sie stellt sich der Logik der Männer entgegen – ihrem Krieg gegen die «Barbaren», der platten, gutgelaunten Rationalität und den Lügen der Diplomatie. Sie erfindet das Stichwort «Humanität» und setzt alles aufs Spiel. Wohin führt das? Ihr Bruder Orest und sie selbst geraten in grösste Gefahr, die Möglichkeit der Versöhnung scheint fern…
«Iphigenie auf Tauris» greift auf die finsterste aller Familiengeschichten zurück, die Atriden-Sage um den Feldherrn Agamemnon, der nach der Heimkehr von Troja von seiner Frau Klytämnestra getötet, dann von seinem Sohn Orest gerächt wird, welcher jetzt schuldig des Muttermords wahnsinnig durch die Welt irrt. Goethe schreibt ein Stück gegen den Krieg. Gleichzeitig rekrutiert er als zuständiger Weimarer Kriegsminister Truppen für den König von Preußen. «Landeskinder» werden von ihm in den Tod geschickt. Persönliche Probleme sind drängend und unlösbar. Goethe jedoch feilt an den Versen und der Sprache. Die Widersprüche schärfen das Denken. Offenbar ist er auf der Suche nach einem Ausweg. Einer Fluchtlinie. Nur Barbaren handeln am Ende wahrhaft menschlich. Die «Iphigenie» findet ihre Lösung für drohende Konflikte, die bis heute gültigen Argumente. Aber die vollendete Form des Dramas ist eine dünne Haut. Darunter bebt es, die Scharniere knirschen. Die Barbarei, gegen die das Stück anschreibt, lässt sich nicht austilgen. «Verteufelt human» nannte Goethe später selbst sein Werk.

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